Objektverwendung und Identifizierung

Winnicott beschreibt Übertragungsvorgänge als Übergang von Selbstbezogenheit und Bezogensein auf das subjektive Objekt hin zum Bereich der Objektverwendung. Diese Übertragung kann sich unter anderem im Rahmen einer Therapie entwickeln. Der Therapeut muss vom Patienten außerhalb subjektiver Phänomene wahrgenommen werden. Dieser muss vom Behandelnden „Gebrauch machen“. Zentral ist die Fähigkeit zur Objektverwendung, bzw. die Unfähigkeit Objekte zu verwenden. Winnicott unterscheidet Objektbeziehungen und Objektverwendung. Im Bereich der Objektbeziehung lässt das Subjekt Veränderungen im Selbst zu. Winnicott spricht von einer Besetzung, im Rahmen derer das Objekt Bedeutung erlangt hat. Es kommt zu Projektionsmechanismen und Identifikation, das Subjekt findet einen Teil seines Selbst im Objekt wieder. Die Objektverwendung setzt eine Objektbeziehung voraus (ist also eine höhere Entwicklungsstufe). Sie ist ein Übergang zur Realität und muss entwickelt werden. Dieser Reifungsprozess braucht förderliche Umweltfaktoren, denn er ist extrem schwierig und störungsanfällig. Das Subjekt muss lernen, das Objekt außerhalb seiner omnipotenten Kontrolle anzusiedeln und dieses als äußeres Phänomen zu sehen. Das Objekt muss anerkannt werden als Wesen mit eigenem Recht. Das Subjekt steht in Beziehung zum Objekt und „zerstört“ dieses. Das Objekt überlebt die Zerstörung durch das Subjekt, womit seine Entbehrlichkeit manifestiert wird. Das Subjekt kann jetzt das Objekt, das überlebt hat, verwenden.

 

D. W. Winnicott

D. W. Winnicott (1896 – 1971) 

Er war ein britischer Kinderarzt und einer der einflussreichsten Psychoanalytiker unseres Jahrhunderts. Winnicott entwickelte eines der bedeutensten Konzepte der frühkindlichen Entwicklung sowie der psychoanalytischen Behandlungstechnik bei Kindern und Erwachsenen. 

http://www.youtube.com/watch?v=VTJ7w3I_bxE

 Einführend schreibt Winnicott in seinem Buch: 

 

Dazu einige Gedanken  aus der Zeitschrift für e-learning, Serious Games, Katharina Stephenson, Psychoanalyse im Game Space: Macht die Psychoanalyse Games Serious? – Studienverlag, 4/2009

Stephenson stellt fest, dass man psychoanalytische Psychotherapie als Möglichkeit der Unterstützung für Reifung oder auch Nachreifung von Persönlichkeit sehen kann. So geschehen bei D.W. Winnicott, der auf seinem Weg vom Spiel zur Kreativität den interpersonellen Raum zwischen Mutter und Kind, respektive Therapeut und Patient, sehr vielschichtig durchleuchtet. Winnicott sieht hierin einen intermediären Bereich von Erfahrungen, in den in gleicher Weise innere Realität und äußeres Leben einfließen. Frühe intermediäre Räume sind bevölkert von Übergangsphänomenen und Übergangsobjekten. Auf dem Weg zur Unterscheidung von Ich und Nicht-Ich kommt es zur reifen und stabilen Internalisierung des geliebten Objekts (z.B. der Kuscheldecke als Mutterersatz). In der Folge müssen symbolische Bedeutungen (der Übergangsobjekte) von aktuelleren, wichtigeren Objekten (Personen) abgelöst werden. Die Beschäftigung mit Übergangsobjekten kommt einer ersten Spielerfahrung gleich und der erwähnte intermediäre Raum wird zu einem Spielraum, in dem geschützt und gefahrlos Erfahrungen gemacht werden können. So kann auch der Therapeut zum Übergangsobjekt werden, das dem Menschen (dem Jugendlichen) einen Übergang zu einer gesunden emotionalen Entwicklung ermöglicht. Winnicott meinte, dass „Psychotherapie mit zwei Menschen zu tun hätte, die miteinander spielen.“ (vgl. Stephenson, Seite 11ff ).

Im Folgenden möchte ich die grundlegenden Gedanken Winnicotts zur Objektverwendung und Identifizierung, zur Lokalisierung des kulturellen Erbes, zum Ort an dem wir leben, zur Spiegelfunktion von Mutter und Familie in der kindlichen Entwicklung, zur Kreuzidentifizierung und zu gegenwärtigen Konzepten der Entwicklung Jugendlicher zusammen fassen. D.W. Winnicott hat sein Buch „Vom Spiel zur Kreativität“ , wie er selbst feststellte, als eine Weiterführung seiner Arbeit zu Übergangsobjekten und Übergangsphänomenen konzipiert, wobei die oben genannten Bereiche in den Kapiteln 6 bis 11 abgehandelt werden.

Ich habe versucht, einen sehr individuellen und fühlenden Zugang zu Winnicotts Erkenntnissen und Aussagen zu finden. Es ging mir nicht allein darum, das literarische Werk eines namhaften Autors zu analysieren, sondern ich wollte zusätzlich ein Exempel statuieren zu Winnicotts Grundannahme, dass Menschen die Chance haben ihre kulturellen, schöpferischen und erfinderischen Fähigkeiten zu nützen und auszuleben, sofern sie im Bereich der Übergangsphänomene und Übergangsobjekte eine positive Entwicklung durchleben durften.

So möge es mir gelingen einen multisensualen, emotionalen, spielerischen und eigenständigen Eindruck von D.W. Winnicotts Buch „Vom Spiel zur Kreativität“ zu vermitteln, denn …

Der vernunftbegabte Mensch (homo sapiens)

hat die Fähigkeit Dinge zu erschaffen (homo faber),

und welche Dinge sollten ihm mehr dabei nützen (homo oeconomicus)

als jene der spielerischen Auseinandersetzung mit sich selbst und der Welt (homo ludens)?

Herzlichst

 

Analyse eines spieltheoretischen Zugangs – Adäquate Lektüre auf dem Weg zur MedienSpielpädagogik

Mein Weg zur MedienSpielpädagogik führt unter anderem über die Erarbeitung eines speziellen spieltheoretischen Zuganges an Hand adäquater Literatur. Es geht darum spieltheoretische Inhalte zu reflektieren und zu analysieren. In diesem speziellen Fall soll das Thema „Übergangsobjekte“ vielschichtig beleuchtet werden. Gemeint ist damit das oft unscheinbare Spielzeug des Kleinkindes, das ihm den Übergang vom Wachen zum Schlafen erleichtert, das aber auch eine Verbindung zwischen der inneren und äußeren Welt eines Kindes herstellt.

Die Beschäftigung mit ihm ist die Vorstufe des Spielens, und das Spiel wiederum ist der erste Schritt zur Entwicklung dessen, was man das Kreative nennt. So stehen die kulturellen, schöpferischen, erfinderischen Fähigkeiten des Menschen letzlich in einem engen Zusammenhang mit jenem kleinen fetischartigen Gegenstand seiner Kindheit (vgl. Umschlagtext, D. W. Winnicott; Vom Spiel zur Kreativität, Klett-Verlag).

MSP09 – MedienSpielpädagogik an der Donau-Universität Krems

Im Laufe meines Studiums der Bildungswissenschaft an der FernUniversität Hagen konnte ich getreu dem Motto eines „lebenslangen Lernens“ unter anderem mein Wissen im Bereich der interaktiven Medien und der vielfältigen Möglichkeiten diese in die Unterrichtsarbeit einzubauen, erweitern und perfektionieren. Der Lehrgang BABW konnte mich zielsicher und selbstverständlich in die Erkenntnis begleiten, mich im Bereich des Lernens mit „alten und neuen Medien“ weiterbilden zu wollen. Diese Erfahrung hat mich zur Teilnahme am Masterstudiengang „MedienSpielPädagogik 2009“an der Donau-Universität Krems veranlasst. Ich konnte in den vergangenen Monaten bereits sehr klar und nachhaltig feststellen, dass mit BABW ein stabiles und tragbares Fundament geschaffen wurde, auf das ich mit MSP 09 Ziel führend und zukunftsweisend aufbauen kann.

 Prof. Dr. Michael Wagner und sein Team werden in den nächsten zwei Jahren Wegbereiter (und Wegbegleiter) sein auf meiner „Reise durch die Welten des Spiels und des Spielens“, denn …

Der vernunftbegabte Mensch (homo sapiens) hat die Fähigkeit Dinge zu erschaffen (homo faber),

und welche Dinge sollten ihm mehr dabei nützen (homo oeconomicus)

als jene der spielerischen Auseinandersetzung mit sich selbst und der Welt (homo ludens)?

  

 http://www.donau-uni.ac.at/de/studium/medienspielpaedagogik/index.php