Heftchenjunkie

„Haltet euch fern von jener Lektüre, die nur den Verstand verwirrt. Sucht nicht in den Lügen der Vergangenheit Trost, sondern erforscht die Wahrheit auf den Pfaden der Zukunft!“
(Ausschnitt aus dem in den 50er Jahren in Ostdeutschland erschienen Bildstreifenheft ‚Don Quichote‘ aus der Reihe ‚Weltberühmte Geschichten in Bildern‘)

In der Bedeutung der Zeit verstand man unter Trivialliteratur wertlose, nutzlose Literatur. Ebenso wie Kinder- und Jugendliteratur einem Zweck, nämlich dem der Ausbildung und Erziehung zu dienen hatte, erwartete man von Literatur für Erwachsene, dass sie zur Information diente oder durch ihren künstlerischen Wert gerechtfertigt wurde.
Lesen nur zum Zeitvertreib galt für die breite Masse der Bevölkerung, die hart für ihren Lebensunterhalt arbeiten musste und der sowohl die Voraussetzungen als meist auch das Interesse für die Befassung mit schöngeistiger Literatur fehlte, als nutzloser Müßiggang.

Ich selbst liebte als Kind die bunten Heftchen, die über die skurrilen Abenteuer der gezeichneten Comicfiguren berichteten. Da gab es Mickey Mouse (erschien 1951 das erste Mal) und seine Freunde, wie auch Rolf Kaukas Fix und Foxi und Lupo. Der schwarze Kater Felix trat in ein Fettnäpfchen nach dem anderen und auch Donald Duck und alle anderen Bewohner von Entenhausen faszinierten die Leser der so genannten Schundheftchen. Hatte die erste Ausgabe noch 75 Pfennig gekostet, werden die Comicheftchen heute um 2,50 Euro verkauft.

 

Interessant dazu folgender Zeitungsartikel:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die BRAVO war – vor allem in den 1970er und 1980er Jahren – prägend und Stil bildend für Generationen von Jugendlichen. Das Heft wurde in der Schule immer wieder von unseren Lehrern konfisziert. Viele heutige Erwachsene verdanken ihre sexuelle Aufklärung fast vollständig den Artikeln des „Dr. Sommer – Teams“. BRAVO ist die größte Jugendzeitschrift im deutschsprachigen Raum. Auch mich und meine Freunde hat sie durch die frühe Pubertät begleitet.

Viel Spaß beim Schmökern,

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7 Kommentare zu “Heftchenjunkie

  1. Hi,Siegi!
    Viele verschüttete Erinnerungen tauchen auf beim Lesen deines Ausflugs in die Vergangenheit – die Mickey Mouse Heftchen konnte ich nur bei den Zeitungskiosken anschauen, auch meine Freundinnen hatten keine und sooo gerne hätte ich sie glesen, denn manchmal gab es ja im Ferien- Nachmittagsprogramm (du weißt schon, das war ja noch die Zeit, als nicht rund um die Uhr ständig aus dem Fernseher Dauerberieselung strömte, nur in den Ferien gab es für 2 Stunden oder so? sogar am Nachmittag ein Kinderprogramm) Popeye the sailor oder eine Geschichte aus Entenhausen und Co.
    Nun meine Frage an dich: Hast du keine Karriere als Liebesroman, Heimatroman und Arztromanheftchen Leserin?
    Wir waren doch jeden Sommer auf der Alm und da war es oft so langweilig und das Wetter war dann auch noch verregnet, von wegen Hüttenromantik… Da gab es dann in der größten Not nur eins: Unter die Decke schlüpfen, den Regen an die Scheiben prasseln lassen und eines der zerlesenen abgegriffenen Heftchen, die in der Hütte waren, zu nehmen und zu verschlingen. Und wenns gar zu langweilig war, haben wir uns dann gegenseitig in theatralischem Ton die Schicksale der armen der Liebe entsagenden Bürofräuleins und aufopfernden Stationsschwestern vorgelesen. Ich seh mich noch heute gemeinsam mit meiner Mama und meiner Schwester vor dem Herd sitzen (weil’s da wenigstens warm war) und in hingebungsvollem Ton unter Gekicher die Schnulzenromane auferstehen zu lassen. Sobald wir wieder zuHause waren, war meine Sucht nach Achnulzen wie weggeblasen, weil wir da genug Bücher hatten, die ich, wenn sie mich gefesselt hatten, oft auch ein zweites Mal las und wenn genug Zeit verstrichen war zum wiederholten Male. Meine Mama war ja Mitglied beim Donauland, so wie viele Leute in der Zeit, wo sie allmonatlich ein Buch bestellte (oder war es nur vierteljährlich). Auf jeden Fall hatten wir genügend Bücher, die für mein Alter nicht geeignet waren, die ich aber mit Leidenschaft verschlang.
    Mit der Taschenlampe unter der Bettdecke habe ich übrigens auch gelesen und daher kommt meine Kurzsichtigkeit – behauptet meine Mutter zumindest…
    Danke für den Ausflug in die Vergangenheit – eigentlich hatten’s wir als Kinder ziemlich schön, weil wir uns mit Leidenschaft und Ausdauer einer Beschäftigung widmen konnten – so wie die Kids heute wahrscheinlich beim Computerspielen – auch alles Stubenhocker!

  2. Hallo Renate!

    Wenn ich deine „Romanheftchenmemories“ lese, dann bekomme ich gleich wieder Lust, meinen Blog um ein Kapitel zu erweitern. Natürlich habe auch ich alle Arzt-, Julia-, Bianca-, Cora- und „wie sie noch heißen mögen Schundromane“ verschlungen. Nicht mit sechs, sieben oder acht Jahren, aber mit dreizehn, vierzehn gab es eine Zeitlang keine andere „Literatur“ in meinem Bücherschrank. Damals waren die Hauptdarstellerinnen, die ihr Liebesleid kultivierten, ja auch nur einige Jahre älter als ich selbst. Inzwischen kann ich maximal als die Großmutter der schmachtenden Schönheiten im Roman durchgehen. Deshalb habe ich es vermutlich längst aufgegeben, „Liebesromanheftchen“ zu lesen (Witz lass nach).

    Alles Gute, Siela

  3. Das find ich jetzt lustig und für mich persönlich höchst interessant! Bin ich also doch noch nicht wirklich „krank“, sondern erlebe ich nur ein Phänomen an mir selbst, das auch andere kennen? Wenn ich jetzt lese, dass auch du, Siela, deine Lust an Liebesromanen verloren hast, kann ich mich da wiederfinden. Bis vor wenigen Jahren bestand meine Literatur für entspannte Stunden aus Liebesromanen – ich kann mich noch erinnern, wie auch du (glaub ich zumindest) mit anderen Kolleginnen darüber redetest, dass du gerne Krimis liest – das war mir damals ein Rätsel (obwohl – ehrlich gesagt – Krimis les ich heut noch nicht gerne – das gewaltvolle Sterben und seine Aufklärung entlockt mir eigentlich auch nur ein Gähnen …) – da war mir wirklich noch so romantisches Beziehungsgefasel lieber. Irgendwie müssen sich aber schleichend wohl auch die neue Lebensphase oder gewisse (traumatische) Erlebnisse und Ereignisse auf die Lesevorlieben auswirken – zumindest komme ich zu dem Schluss. So muss ich leider noch immer damit kämpfen, keine Entspannung mehr bei niedlichen Filmen mit vorauszusehendem Ausgang oder durch nette Liebesromane zu erlangen, sondern das Ganze oft wirklich nur „affig“ zu finden (sogar mein Mann ist schon romantischer als ich … – beängstigend?!) – irgendwie schon schade, dass da, wie du auch in Klammer schreibst, der „Witz nachlässt“. Na ja, vielleicht lässt sich auf’s Alter und mit einer gewisse Reife ein adäquater Ersatz finden (Master oder Doktoratsstudium?! – Ha ha …)

  4. Nachtrag: Vielleicht wird dieses Thema allerdings irgendwann wieder interessant? Der Tatbestand, dass meine Oma (so um die 80) wieder begonnen hat, Liebesromane zu lesen, lässt hoffen ….. (lässt das dann auf eine „gewisse Reife“ schließen?)

  5. Liebe Marmar!

    Ich habe für meine Anspielungen auf mein „greises Alter“ schon „Schelte“ bekommen. RenNie hat mir eingebleut, dass man immer so alt ist wie man sich fühlt.

    Suuuper (tröstlich), nach sieben Stunden am Stück vor dem Computer fühle ich mich wie 100. Aber du junges „Frauchen“ hast noch keinen Grund zum Jammern, Schundromane hin oder her.

    LG, Siela

  6. Hi Siela1!
    Nettes Pseudonym hast du da für mich kreirt – Danke, werd’s aufnehmen, falls du es nicht mit copy right belegt hast.
    Nachsatz zu dem abgedroschenen „Man ist so alt, wie man sich fühlt“ Ausspruch: So hab ich das nicht in den Mund genommen, das klingt ja schrecklich anbiedernd à la Udo Jürgens Alter ist etwas Relatives – es kommt einfach darauf an, in welchem Umfeld du dich bewegst. Arbeitest du in einem Altersheim, fühlst du dich bis zur Pensionierung jung und bist du unter Schülern ein Lehrer, dann schaust du schon mit 30 ziemlich alt aus. Außerdem geht es nicht nur um die körperliche Präsenz, sondern vor allem auch um die Geistige. Das heißt für mich, wie bereit bin ich, mit den Zeichen der Zeit, sprich auch neuen Errungenschaften der Menschheit, mitzugehen. Wie sehr nehme ich sie wahr und nutze sie auch für mich – UND – schon wieder sind wir bei den Medien gelandet: Welchen Zugang habe ich zu der rasanten Entwicklung der Neuen Medien, was geht in den Köpfen der heutigen Jugend vor, wenn sie sich mit Hingabe in Spiele wie RoM und Kugelbahnen aus Crazy Games verlieren können? 8- und 10-Jährige haben mir da so unglaublich viel voraus, das werd ich sicher niemals einholen können.
    So gesehen bin ich nicht nur alt, sondern fossilmäßig unterwegs.
    Aber es besteht Hoffnung, dass ich noch in späteren Jahren plötzlich in diese Medienwelt hineinkatapultiert werde und nichts mehr dabei finde auch daran teilzuhaben. Als Beispiel dazu meine Mama – sie ist jetzt 80 Jahre alt und hat uns letztes Wochenende völlig überrascht mit ihrer Einstellung der Musik gegenüber aus unserer Jugendzeit (Beatles und Co). Am Wochenende stand das Musikprogramm im Bayern1 den ganzen Tag lang unter dem Motto (Was sagst du – so lang ist das schon her!!): Wir (meine Schwester und ich) schmolzen ganz dahin und hatten große Bedfürchtungen, dass unsere liebe Mutter in die vernichtenden Kommentare unserer Jugendzeit zurückfallen würde, wie „Poggerlfraß“ kriege man ja bei der Musik, etc. Aber – Oh Wunder! – sie meinte nur ganz selbstverständlich, diese Art von Musik ist sowieso jedermann bekannt und ohnehin so melodiös, dass wir sie ruhig laufen lassen können…
    Fazit: Auch ich werde womöglich einmal zu den schießenden PC Spielnutzern zählen ohne von reflektierenden Gedanken, die mein Tun hinterfragen könnten, abgehalten zu werden. Dazu muss ich aber noch einiges älter werden, womit wir am Anfang sind – Alt sein ist oft auch jünger sein = jünger fühlen!
    Ciao – vielleicht treffen wir uns einmal im Cyberland auf unsere alten Tage, die bei dir ja schon längst eingesetzt haben…

    RenNie

    P.S. Liebesromane lese ich schon seit meinem 15. Lebensjahr keine mehr – was das wohl heißen soll?

  7. Liebe RenNie!

    Es freut mich, dass du dich schon mit deinem „neuen Cybernamen“ angefreundet hast. 🙂
    Wichtig ist das groß geschriebene „N“ in der Mitte, denn der Begriff „Rennie“ kommt wie ich mich zu erinnern glaube aus dem Bereich der Medizin (=Medikament gegen Magenverstimmung).

    Zum Alter(n) fällt mir selber nichts mehr „Gescheites“ ein und deshalb lasse ich andere (für mich) sprechen.
    So meinte z.B. Schopenhauer, dass das Leben vom Standpunkte der Jugend aus gesehen eine unendlich lange Zukunft ist, vom Standpunkte des Alters aus aber eine sehr kurze Vergangenheit.

    Zu deinen Ausführungen passt vielleicht Martin Bubers Ausspruch, der heißt: „Alt sein ist ja ein herrliches Ding, wenn man nicht verlernt hat, was anfangen heißt.“

    Angesichts dieser Klugheiten schaue ich mit meinem „man ist so alt wie man sich fühlt“ tatsächlich ziemlich alt aus …

    Viele liebe, jugendlich frische Grüße an alle jung Gebliebenen deiner Familie und natürlich besonders an dich, Siela

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