Cineastin

Das Kino kann die Zuschauer in eine Welt jenseits des Intellekts entführen, in der sie sich ganz und gar ihrer eigenen Intuition anvertrauen müssen. Es geht nicht darum, etwas zu verstehen, sondern darum, etwas zu erfahren.

(David Lynch, Der Spiegel, Nr.16/2007) 

 

 

 

 

Tagelang freute ich mich darauf … auf den wöchentlichen Kinobesuch, der Abwechslung in den Alltag brachte. Meine Eltern, eingeschworene Cineasten, nahmen ihre kleine Tochter gerne ins Kino mit. Und so saß ich staunend in dem riesigen, verdunkelten Saal in einem mit rotem Samt gepolsterten Kinostuhl, in dem ich fast versank. Ich durfte die Sitzfläche nach oben klappen und schon konnte ich über alle Kinobesucher vor mir hinweg sehen und das genießen, was in CinemaScope über die Leinwand flimmerte. „Bewaffnet“ mit Popcorn und Cola harrte ich dessen, was da kommen würde.                         

                        

            Besonders beliebt bei mir waren alle damaligen Disney Produktionen wie Bambi, Cinderella, Susie und Strolch, Dornröschen, das Dschungelbuch und Aristocats. Ich litt mit dem kleinen Reh, als seine Mutter starb und bangte mit Dornröschen, als die böse Patin ihr Rache und Verderben schwor. Ich liebte die Abenteuer des kleinen Mogli im Dschungel und beneidete das Aschenputtel um ihre Ballrobe und den wunderschönen Prinzen.             

                                      

Noch heute überfällt mich eine Gänsehaut, wenn ich an die Kinofilmszenen denke, in denen Winnetou im dritten Teil der gleichnamigen Serie (1965) sterben musste . Ich war derart außer mir und in Tränen aufgelöst, dass meine Eltern mit mir das Kino vor dem Filmende verließen. Ich konnte es nicht mit ansehen, wie der heroische Indianer im Karl May Film, begleitet von seinem treuen Freund Old Shatterhand, seinen letzten Atemzug tat. Das war Kino … das waren Gefühle … , für den heutigen Geschmack vielleicht etwas „angestaubt“, für mich damals das ultimative Kinoerlebnis. Ich weiß nicht, ob meine Söhne ähnlich empfinden, wenn sie sich eine der neuesten Hollywoodproduktionen in „3D Digital“ ansehen.
 

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4 Kommentare zu “Cineastin

  1. Hi, Siegi!
    Ich hab zwar nicht den Babysittersong wie Elke mit dir gemeinsam als Lieblingslied – dazu war ich wohl schon zu alt ;)- aber das Ende von Winnetou ist auch bei mir mit einem besonderen Kinoerlebnis verbunden. Mein Vater wollte uns eine besondere Freude machen – das war zu der Zeit als meine Eltern schon geschieden waren und wir von ihm abgeholt wurden um mit ihm dann etwas zu unternehmen. Was wir da so erlebten, weiß ich heute nicht mehr, aber an unseren einzigen gemeinsamen Kinobesuch erinnere mich noch. Karl May Bücher habe ich ja gesammelt und mein Vater wollte mit eine Freude machen, dass wir Winnetou 3 im Kino anschauen. Ich hatte diesen Band, obwohl ich ihn besaß, bisher verweigert zu lesen. Irgendwie wusste ich schon, dass der edle Held meiner Kinderzeit in die ewigen Jagdgründe eingehen würde, aber für mich sollte er unsterblich bleiben. Da saß ich nun im Kino hin und hergerissen vom Abenteuer, dass wir überhaupt gemeinsam da waren und dass etwas Schreckliches auf mich zukommen würde. Das Kino habe ich nicht vorzeitig verlassen, ich blieb tapfer, wenn auch verstohlen weinend sitzen bis zum Ende, wie auch anders, ich konnte doch nicht vor meinem Vater und meiner Schwester den Saal verlassen und stand das Ende durch. Aber eines garantiere ich dir – den Ausschnitt auf YouTube klicke ich auch heute – über 40 Jahre danach – bestimmt nicht an!
    Heute schaue ich mir traurige Fileme prinzipiell nur Zuhause an, da darf ich nämlich ohne Weiteres den Raum verlassen…

  2. Ja, ja Winnetou und die Frauen (Squaws) …

    Irgendwie ist Pierre Brice heute noch ein fescher Kerl, obwohl auch nicht mehr der Jüngste. Leider ist er den „Fluch des Indianerhäuptlings“ Zeit seines Lebens (seiner Karriere) nie mehr ganz los geworden und noch immer sieht man den Apachen in ihm. Ich bin damals jeden Fasching als Indianersquaw unterwegs gewesen (Ribanna), in der Hoffnung irgendwann meinem „Lieblingsindianer“ zu begegnen.

    Danke für deine Kommentare, es ist schön Freunde mit ähnlichen Medienerfahrungen zu haben, Siela

  3. Das Kino war für mich ein Schockerlebnis. Bei einem ersten Kinobesuch mit ca. 4 Jahren sah ich den immer größer werdenden Katzenkopf des gestiefelten Kater, Mein Vater mußte das Kino mit seiner brüllenden Tochter am Anfang bereits verlassen. Es hat dann lange gedauert, bis mir dieses Medium gefiel.

    Schöne Grüße an Siela

    • Dann hat unser beider „Karriere“ als Kinofan mit einem Trauma begonnen. Gott sei Dank hat sich das später wieder „eingerenkt“. Ich gehe heute noch sehr gerne mit meiner Familie ins Kino, wobei wir mitunter auch in die Landeshauptstadt fahren, um dort die neusten Hollywoodproduktionen (und andere Filme) in 3D-digital zu genießen.
      Kürzlich geschehen anlässlich des neuen Cameron-Films „Der Avatar“, wobei ich nach drei Stunden nicht mehr wusste, wie ich noch halbwegs bequem sitzen sollte.

      LG, Siela

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